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Ernst Marquardt

Prof. Dr. Ernst Marquardt (1924 – 2016) absolvierte während und nach dem Zweiten Weltkrieg ein Medizinstudium an der Universität Kiel. Sein erster Arbeitsplatz nach der Approbation war an der Orthopädischen Heil- und Lehranstalt Annastift in Heidelberg.1955 folgte er seinem ehemaligen Hannoveraner Vorgesetzten Kurt Lindemann an die Heidelberger Orthopädische Universitätsklinik.

Fokussierte sich der junge Arzt Marquardt noch auf die Versorgung kriegsversehrter Patienten, standen ab der „Contergan-Katastrophe“ Kinder im Mittelpunkt seiner Arbeit. Aufgrund der Einnahme des Schlafmittels Contergan von schwangeren Müttern, kamen in den Jahren 1958 bis 1962 nach Angaben des Bundesverbands Contergangeschädigter e. V. etwa 5.000 Babys mit teilweise schwersten Behinderungen in Deutschland zur Welt. Viele Orthopäden lehnten die Versorgung von Kleinkindern und Kindern mit Prothesen ab. Prof. Dr. Ernst Marquardt setzte sich hingegen von Anfang an für die Versorgung der Kinder ein. Der SPIEGEL zitiert ihn im Artikel „Prothesen mit Gas“ vom 22. Mai 1963 über die Prothesenversorgung von Kindern, die Fehlbildungen aufgrund der Einnahme des Schlafmittels Contergan aufweisen, mit den Worten: „Das ist ein großes Unrecht! Man treibt die Eltern leicht in die Verzweiflung.“ Sein Team entwickelte Trainingsprogramme der Rest-Gliedmaßen für Kinder ab einem Jahr und Prothesen für Kinder ab einem Alter von 1,5 Jahren.

Nicht zuletzt aufgrund seines Engagements für Contergan-geschädigte Kinder wurde er nach seiner Habilitation 1965 Lehrstuhlinhaber für Orthopädie und Leiter der „Abteilung für Dysmelie und Technische Orthopädie“ an der Heidelberger Orthopädischen Universitätsklinik.

Prof. Marquardt legte großen Wert auf die enge Zusammenarbeit von Medizinern, Technikern und Physiotherapeuten, um die individuellen Bedürfnisse der Patienten bei der Versorgung zu berücksichtigen. Dazu passte auch sein Engagement für die 1970 gegründete Internationale Gesellschaft für Prothetik und Orthetik (ISPO) Deutschland. Von 1977 bis 1983 bekleidete er das Amt des Vize-Präsidenten und von 1983 bis 1986 das Amt des Präsidenten der ISPO. Zu den zahlreichen Auszeichnungen, die er im Laufe des Arbeitslebens erhielt, zählte der 1994 vergeben Preis für rekonstruktive Orthopädie und Chirurgie der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC).

Prof. Marquardt, der 1989 in den Ruhestand ging, erhielt 1978 die Heine-Hessing-Medaille als Würdigung seiner Lebensleistung.

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