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Friedrich von Hessing

Hofrat Ritter Friedrich von Hessing wurde am 19. Juni 1838 in Schönbronn bei Rothenburg ob der Tauber als jüngster Sohn eines Landwirtes geboren.

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Hofrat Ritter Friedrich von Hessing bei der Versorgung eines Patienten. Foto: Hessing Stiftung

Sein beruflicher Weg führte ihn über eine abgebrochene Schreiner- und eine abgeschlossene Orgel- und Harmoniumbauerlehre (1858) zur Orthopädie-Technik. Im November 1866 erhielt er von der Stadt Augsburg die Gewerbelizenz für den Orgelbau. Spätestens ab 1867 beschäftigte er sich mit der Herstellung „orthopädischer Maschinen und künstlicher Gliedmaßen", wie seine Anträge 1867 auf finanzielle Unterstützung dieses Geschäftszweiges und 1868 zur Genehmigung der Gründung einer orthopädischen Heilanstalt an die Stadt Augsburg zeigen.

Nach anfänglichen Schwierigkeiten konnte Hessing in Göggingen – heute ein Stadtteil von Augsburg – die „Hessing’sche Orthopädischen Heilanstalt“ gründen. Knapp zwanzig Jahre später folgte 1887 die Errichtung der „Neuen Heilanstalt“ ebenfalls in Göggingen mit Bettenhaus, Behandlungsräumen, Schlosserei, Drechslerei, Schreinerei, Spenglerei und einer großen Parkanlage inklusive Theaterhaus. In der Heilanstalt in Göggingen wurden bis zum Jahr 1903 mehr als 60.000 Patienten versorgt. Hierzu zählte auch Kaiserin Victoria, die sich 1899 einen Knöchelbruch zugezogen hatte.

Der medizinische Autodidakt weitete seinen Wirkbereich aus, kaufte 1894 das Wildbad bei Rothenburg an und pachtete 1899 das Staatsbad Bad Reichenhall sowie 1900 das Staatsbad Bad Kissingen.

Bereits zu Lebzeiten erhielt er für seine unternehmerischen und orthopädischen Leistungen zahlreiche Anerkennungen. 1907 wurde er zum Hofrat ernannt und 1913 in den Adelsstand erhoben. Außerdem wurde er 1913 mit dem bayerischen Kronenorden ausgezeichnet. Er verstarb am 16. März 1918 in Göggingen im Alter von 79 Jahren.

Testamentarisch legte er die Errichtung der „Hessing Stiftung“ mit dem Zweck „die Anstalt zu erhalten und fortzuführen, zum Wohle der Heil- und Hilfsbedürftigen“, fest. Unter dem Leitbild „Wir stiften Lebensqualität“ betreibt die Hessing Stiftung in Augsburg heute ein „Kompetenzzentrum für Orthopädie“ mit sieben Fachbereichen, je einer Rehabilitationsklinik für Orthopädie und für Geriatrie, der privatärztlichen Hessingpark Clinic, einem Therapiezentrum und hauseigener Orthopädie-Technik und Orthopädieschuhtechnik. Hinzu kommen drei medizinische Versorgungszentren an den Praxisstandorten Augsburg-Göggingen, Königsbrunn und Gersthofen für ambulante orthopädisch-ärztliche Behandlungen und ein Förderzentrum für Kinder und Jugendliche mit Therapie-, Bildungs- und Förderangeboten in Augsburg. Insgesamt 1.400 Mitarbeiter sind derzeit für die Stiftung tätig, die 2018 ihr hundertjähriges Bestehen feierte.

Friedrich von Hessing gilt als Mitbegründer und richtungsweisender Forscher in der deutschen Orthopädie-Technik. Zu seinen nachhaltigsten Erfindungen zählte der „Schienenhülsenapparat“. Das orthopädische Hilfsmittel ermöglichte eine stabile Führung eines geschwächten oder gelähmten Gliedmaßes, etwa nach einer Kinderlähmung. In die Geschichte der Orthopädie-Technik ging zudem das „Hessingkorsett“ zur Behandlung von Wirbelsäulenverkrümmungen ein.

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