COVID-19 Befragung

„Corona-Auswirkungen 2020“

Der Bundesinnungsverband für Orthopädie-Technik (BIV-OT) hat eine bundesweite Befragung über die "Corona-Auswirkungen 2020" seiner Mitgliedsbetriebe gestartet. Die Befragung erfolgt monatlich bei den Mitgliedsbetrieben über die 14 Landesinnungen des BIV-OT. Unterstützt wurde die Befragung durch die FOM Hochschule für Oekonomie & Management (GmbH). Ziel der Befragung ist es, verlässliche Daten zu den Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf die Sicherstellung der flächendeckenden Versorgung von Patienten und Patientinnen mit Hilfsmitteln zu erheben und diese in die Gespräche mit dem GKV-Spitzenverband Bund und der Politik zu nutzen. 

Die erste Befragungswelle vom 6. bis 15. April ist nun abgeschlossen und die ersten Ergebnisse konnten am 30. April veröffentlicht werden. Die Ergebnisse der ersten Befragungswelle können über die Pressestelle angefragt werden.

Die Corona-Krise ändert ständig ihr Gesicht. Daher wird die Befragung monatlich wiederholt – um den Trend abbilden zu können und zeitnah Richtungsanpassungen durchführen zu können. Die Ergebnisse der zweiten Welle werden in die Gespräche über weitere Verwaltungsvereinfachungen und einen möglichen Schutzschirm eingehen.

Die zweite Befragungswelle  läuft vom 4. Mai bis einschließlich 10. Mai - der Link wird Ihnen wieder über die Landesinnung zugesandt. Bitte nehmen Sie sich die 10 Minuten Zeit für die Online-Umfrage!

An der Befragung „Corona-Auswirkungen 2020“ zwischen dem 6. und 15. April 2020 haben bundesweit rund 600 Mitgliedsbetriebe des BIV-OT teilgenommen – knapp die Hälfte aller Innungsmitglieder. Die Antworten offenbarten riskante Engpässe bei der Versorgung der Patientinnen und Patienten, denn bei verschiedenen Produktgruppen (PG) erwies sich die Lieferfähigkeit aufgrund fehlender Handelsware oder Materialien zur Produktion als gefährdet. Dies betrifft in besonderem Maße Inhalations- und Atemtherapiegeräte (PG 14), Krankenpflegeartikel (PG 19) sowie Pflegehilfsmittel (PG 50, 51, 53), darunter vor allem die zum Verbrauch bestimmten Pflegehilfsmittel (PG 54). Doch in anderen Segmenten zeigen sich ebenso Gefährdungen der Lieferfähigkeit, wie beispielsweise bei Messgeräten für Körperzustände und -funktionen (PG 21) oder Absauggeräten (PG 01).

„Die Befragung zeigt aber auch, dass durch das hohe Engagement und die Initiative der Branche die bundesweite Hilfsmittelversorgung der Patientinnen und Patienten in vielen Bereichen bislang gewährleistet ist. Die Betriebe tun wirklich alles, damit das so bleibt und sie ihrer Versorgungspflicht nachkommen können“, unterstreicht Reuter. Auf zahlreichen Gebieten gebe es wenig bzw. kaum Lieferengpässe. Beispiele hierfür seien Orthesen und Schienen (PG 23), Arm- und Beinprothesen (PG 38, 24), Brustprothesen (PG 37), Stoma-Artikel (PG 29), Bandagen (PG 05), Einlagen (PG 08), Inkontinenzhilfen (PG 15), Hilfsmittel zur Kompressionstherapie (PG 17) oder Lagerungs-, Mobilitäts- und Stehhilfen (PG 20, 22, 28).

„In diesen Bereichen mache ich mir allerdings Sorgen, dass Patientinnen und Patienten notwendige Versorgungen unter den Kontaktbeschränkungen verschleppen. Dies darf nicht geschehen! Sonst droht trotz Sicherheit in der Versorgung auch, dass hier elementare Spätfolgen auftreten können“, warnt Reuter. Klar werde durch die Befragung allerdings auch, dass Politik und Krankenkassen handeln müssen: „Unsere Leistungserbringer versorgen die Patientinnen und Patienten unter teils sehr schwierigen Umständen mit dringend benötigten Hilfsmitteln – und entlasten damit andere Bereiche des Gesundheitssystems, darunter die Krankenhäuser“, erklärt Reuter.

Die Arbeitsfähigkeit in den verschiedenen Versorgungssegmenten erwies sich laut Befragung bei etlichen Betrieben schon eingeschränkt. Auf die Frage, „welche Bereiche im Unternehmen eher bzw. voll arbeitsfähig sind“ antworteten die befragten Unternehmen wie folgt: Sanitätshaus 42,5 Prozent; Orthopädie-Technik 48,5 Prozent; Orthopädie-Schuhtechnik 44,2 Prozent; Reha 53,1 Prozent; Home Care 47,6 Prozent und Medizintechnik 42,2 Prozent.

Gravierende Auswirkungen hat fehlende persönliche Schutzausrüstung (PSA): So wurde vor allem der Mangel an FFP2/3-Mundschutz von rund 82,3 Prozent der Befragten als ein Grund benannt, der „aktuell oder innerhalb der nächsten Woche“ zu Einschränkungen ihrer Lieferfähigkeit führt – gefolgt von Desinfektionsmittel (71,3 Prozent), einfachem Mundschutz (69,9 Prozent) und Einweghandschuhen (54,1 Prozent).

Umsatz- und Auftragseinbrüche spüren laut der Befragung die deutliche Mehrzahl der Unternehmen. Insgesamt 82 Prozent der Befragten geben an, dass ihr Umsatz im März 2020 im Vergleich zum März 2019 abgenommen bzw. stark abgenommen habe. Für die Auftragslage sagten dies sogar 88,8 Prozent der Befragten.

In naher Zukunft wird keine Besserung erwartet – im Ausblick auf den Folgemonat Mai 2020 ergab sich ein ähnliches Bild. Wenn die Unternehmen auf die wirtschaftliche Schieflage reagieren müssen, ist mit schwerwiegenden Folgen zu rechnen: So planen aktuell 70,6 Prozent aller in der Untersuchung befragten Betriebe Kurzarbeit, sofern diese noch nicht umgesetzt wurde. 61,4 Prozent planen Urlaub für (Teile der) Belegschaft, 60,3 Prozent den Abbau von Arbeitszeitkonten. 16,4 Prozent sehen sich zur Kündigung von Mitarbeitern gezwungen. 8,8 Prozent ziehen vorübergehende Betriebsschließungen in Erwägung. „Schließungen wären für die Betriebe aber nur die allerletzte Möglichkeit, wenn keine andere Maßnahme mehr greift. Denn jedes unserer Sanitätshäuser, jede orthopädie-technische Werkstatt wird zunächst versuchen, bei dem hohen Fachkräftemangel unserer Branche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Betrieb zu halten“, bekräftigt BIV-OT-Präsident Reuter.