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Überblick › 7. Dezember 2021

Michael Schäfer, Mitglied im BIV-OT-Vorstand referierte beim D.A.F.-Kongress zum Thema „Prothesenversorgung nach Fußteilamputationen“. Foto: BIV-OT/Blatt

Interprofessioneller Austausch muss gepflegt und gelebt werden: BIV-OT unterstützt Vernetzung unter Technikern und Medizinern

Erstmalig hat sich der Bundesinnungsverband für Orthopädie-Technik (BIV-OT) als Partner an der Jahrestagung der Deutschen Assoziation für Fuß- und Sprunggelenke e. V. (D.A.F.) beteiligt. Am 18. und 19. November fand die Veranstaltung unter dem Titel „Fuß und Sport – Vom Kind bis zum Senior“ in Osnabrück statt. „Ich freue mich, dass wir den 26. Jahreskongress unterstützt haben und den interprofessionellen Austausch und das Interesse an Vernetzung zwischen Technikern und Medizinern einen solchen Zuspruch gefunden hat“, resümiert Alf Reuter, Präsident des BIV-OT. Zu den aufmerksamen Zuhörern des „D.A.F. meets BIV-OT“-Symposiums gehörte auch Kongresspräsident Prof. Dr. med. Martin Engelhardt, Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Sportmedizin des Klinikums Osnabrück, welcher im kommenden Jahr der OTWorld ebenfalls als Kongresspräsident vorstehen wird.

An dem Kongress kamen knapp 350 Teilnehmern zusammen, die unter der Programmgestaltung von Prof. Dr. med. Dipl. oec. Bernhard Greitemann, ärztlicher Direktor der Klinik Münsterland am Reha-Klinikum Bad Rothenfelde, vier Fachbeiträge zur Technischen Orthopädie besuchen konnten. Infolge der Aktualisierung der Produktgruppe (PG) 31 (Schuhe) im Hilfsmittelverzeichnis lieferte Jürgen Stumpf, Geschäftsführer der Firma Fuß und Schuh Breidbach Orthopädie, einen spannenden Kommentar zur Versorgung des Diabetischen Fußsyndroms. Insbesondere die zuvor in der „AG Fuß“ der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) erarbeitete Risikogruppeneinteilung sei als Kriterium für eine höherwertige Versorgung nicht adäquat berücksichtigt worden. Gleichzeitig seien wichtige Fußkorrekturen wie die Verarbeitung von Pelotten oder Stufen untersagt worden, bemängelte Stumpf. Das Verhalten des GKV-Spitzenverbandes in Bezug auf das HMV fasst Stumpf wie folgt zusammen: „Es geht ums Geld.“

Im Anschluss sprach Frank Schievink, Geschäftsführer der Orthopädie-Schuhtechnik Schievink GmbH, über die PG 08 (Einlagen) und deren aktuellen Maßgaben durch das Hilfsmittelverzeichnis. Der Experte erläuterte mithilfe von Versorgungsbeispielen maßgebliche Kriterien (wie etwa Diagnose, Therapieziel und Schuhauswahl), welche als Grundlage für die Ausführung und Materialauswahl dienen. Schievink ging in seinem Vortrag auch auf aktivierende/sensomotorische Einlagen ein: „Nur weil die Einlagen nicht im HMV gelistet sind, heißt es nicht, dass sie nicht wirken.“

Als weiterer Referent war auch BIV-OT-Vorstandsmitglied Michael Schäfer, Geschäftsführer der Pohlig GmbH, vor Ort. Er gab Einblicke in die prothetische Versorgung nach Fußteilamputationen. Die Kombination aus Einlagen und Silikon-Prothesen sei für die Versorgung von Fußteilamputationen vielfach geeignet. Er gab zu bedenken, dass dem Kostenträger eine detaillierte Dokumentation und Begründung vorgelegt werden müsste, um eine Erstattung der höheren Preise zu bewirken. Für Schäfer ist für jede Versorgung grundlegend, „dass die Menschen wieder normal gehen können.“

Abgerundet wurde die Veranstaltung durch Dr. med. Kim Glapa von der BG Unfallklinik Frankfurt am Main, welche Praxisbeispiele von Amputationen am Fuß nach Traumata präsentierte. Nach Verkehrsunfällen würden Ärzte häufig Quetschungen, Abrisse oder Schnittverletzungen behandeln müssen und stünden dann, so Dr. Glapa, vor der schwierigen Entscheidung: Replantation oder Amputation? Um die verschiedenen Faktoren sowie den „richtigen Zeitpunkt“ abwägen zu können, schlug sie die Anwendung eines Score-System vor. Abschließend informierte Dr. Glapa über die variablen physischen wie psychischen Folgen für einen Unfallgeschädigten.

Alle Vorträge machten vor allem eines deutlich: Fachgesellschaften und die Arbeitsgemeinschaften der Verbände müssen sich mit ihrem Know-how maßgeblich an der Fortschreibung des Hilfsmittelverzeichnisses und den Versorgungspfaden engagieren. Dafür sei der interprofessionelle Austausch elementar müsse weiterhin und mehr denn je gepflegt und gelebt werden.

 

Die D.A.F. ist eine Sektion der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) und beschäftigt sich mit der Diagnostik und Therapie von angeborenen und erworbenen Erkrankun-gen des Fußes und Sprunggelenks sowie mit Verletzungen und deren Folgen.

Die Kooperation zwischen D.A.F. und BIV-OT wird innerhalb des Weltkongresses OTWorld 2022 fortgesetzt. Programmdetails folgen im Januar 2022.

 

Über den Bundesinnungsverband für Orthopädie-Technik: Der Bundesinnungsverband für Orthopädie-Technik (BIV-OT) vertritt als Spitzenverband des orthopädietechnischen Handwerks bundesweit die Sanitätshäuser und orthopädietechnischen Werkstätten mit etwa 40.000 Beschäftigten. Jährlich versorgen die angeschlossenen Häuser mehr als 20 Millionen Patienten mit Hilfsmitteln.


Ansprechpartnerin für die Presse:
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